Kurzfazit: Nach rund 6.000 km auf meiner Ducati Scrambler Desert Sled während einer 8.600-km-Reise zum Nordkapp zeigte der Pirelli Scorpion Rally seine grösste Stärke dort, wo der Asphalt endet. Auf losem Schotter und Erde vermittelte er mir sehr viel Vertrauen, funktionierte nach dem Einfahren aber auch auf der Strasse gut. Die Kompromisse: deutlich hörbare Abrollgeräusche, leichte Vibrationen und eine Laufleistung, von der ich mir etwas mehr erhofft hatte. Würde ich ihn wieder kaufen? Ja.
Update September 2026: Meine Desert Sled hat inzwischen deutlich mehr Kilometer zurückgelegt. Die Aussagen in diesem Test beziehen sich aber bewusst auf diese konkrete Nordkapp-Reise und auf die rund 6.000 km, die ich mit diesem Scorpion-Rally-Satz gefahren bin, bevor ich ihn ersetzt habe.
Der Test auf einen Blick
- Motorrad: Ducati Scrambler Desert Sled
- Reise: 8.600 km bis zum Nordkapp und zurück
- Distanz mit dem Pirelli Scorpion Rally: rund 6.000 km bis zum Wechsel
- Untergrund: Asphalt, Schotter, Erde und einige schlammige Abschnitte
- Grösste Stärke: Vertrauen und Traktion auf losem Untergrund
- Wichtigste Kompromisse: Abrollgeräusch, leichte Vibrationen und Laufleistung
Warum dieser Test anders ist
Dieser Bericht basiert nicht auf einer kurzen Probefahrt oder auf technischen Daten aus einem Datenblatt. Ich bin den Pirelli Scorpion Rally auf einer echten Langstreckenreise mit meiner Ducati Scrambler Desert Sled gefahren – von der Schweiz Richtung Nordkapp, mit genau dem Mix, bei dem die Reifenwahl relevant wird: lange Asphaltetappen, Schotterstrassen in Schweden, Erde und etwas Schlamm.
Genau bei dieser Mischung muss ein Adventure-Reifen zeigen, ob seine Kompromisse sinnvoll sind. Ein Reifen kann sich zwanzig Minuten auf Schotter grossartig anfühlen und nach mehreren Stunden auf Asphalt trotzdem anstrengend werden. Beim Scorpion Rally wurden die Stärken und Schwächen erst nach mehreren tausend Kilometern wirklich klar.
Einfahren: die ersten 20 km
Mein erster Eindruck war nicht sofort positiv. Auf den ersten ungefähr 20 Kilometern fühlte sich der Reifen auf der Strasse deutlich rutschiger an. Nach dem Einfahren verschwand dieses Gefühl und der Reifen wurde wesentlich berechenbarer.
Wer einen frischen Satz direkt vor einer Reise montiert, sollte den Scorpion Rally deshalb nicht nach den ersten paar Kilometern beurteilen. Meine Erfahrung änderte sich nach dieser kurzen Einfahrphase deutlich.
Performance auf Asphalt
Nach dem Einfahren bot der Scorpion Rally auf befestigten Strassen soliden Grip. Auf normalen Landstrassen, längeren Reiseetappen und kurvigen Abschnitten blieb die Desert Sled stabil und vermittelte Vertrauen. Ich hatte nie das Gefühl, dass der deutlich offroad-orientiertere Reifen das Motorrad auf Asphalt unangenehm oder schwierig zu fahren macht.
Ganz verstecken kann der Reifen seinen Einsatzzweck aber nicht. Das grobe Profil erzeugt leichte Vibrationen, mit denen ich gut leben konnte. Auffälliger war das Geräusch. Auf langen Asphaltetappen ist der Reifen klar lauter als ein stärker strassenorientierter Adventure-Reifen.
Für mich war das ein akzeptabler Kompromiss. Wer hauptsächlich Autobahn und Asphalt fährt, sollte das Geräusch berücksichtigen. Wenn Schotter und loser Untergrund aber ein echter Teil der Reise sind, ergibt dieser Kompromiss deutlich mehr Sinn.
Schotter und Offroad
Den stärksten Eindruck hinterliess der Scorpion Rally auf den Schotterstrassen in Schweden. Dort fühlte er sich zu Hause. Auf losem Schotter und Erde gab er mir genau die Traktion und Sicherheit, die ich von einem Adventure-Setup wollte.
Auch wenn der Untergrund gröber wurde, blieb das Motorrad gut kontrollierbar. Das Profil arbeitete sich durch loses Material, ohne dass sich das Vorderrad unnötig schwammig anfühlte. Auch einige schlammige Abschnitte meisterte der Reifen überzeugend.
Dieses Vertrauen abseits des Asphalts ist der Hauptgrund, weshalb ich den Scorpion Rally wieder wählen würde. Er sieht nicht nur aggressiv aus – meiner Erfahrung nach merkt man seinen Nutzen tatsächlich, sobald die Route den sauberen Asphalt verlässt.
Abrollgeräusch und Vibrationen
Adventure-Reifen sind immer ein Kompromiss, und hier zeigte sich dieser am deutlichsten. Die Vibrationen waren vorhanden, aber für mich eher gering. Das Abrollgeräusch fiel stärker auf, besonders auf langen befestigten Etappen.
Beides wäre für mich kein Ausschlusskriterium. Es gehört einfach zur Entscheidung dazu. Wer einen leisen, geschmeidigen Strassenreifen sucht, der gelegentlich über einen geschotterten Parkplatz rollt, ist mit dem Scorpion Rally wahrscheinlich nicht optimal bedient. Wenn die Route aber wirklich Schotter und Erde beinhaltet, fand ich das zusätzliche Geräusch akzeptabel, weil die Offroad-Performance dafür einen echten Mehrwert liefert.
Laufleistung: rund 6.000 km in diesem Test
Nach ungefähr 6.000 Kilometern im gemischten Einsatz wurde klar, dass der Reifen für diese Reise das Ende seiner sinnvollen Einsatzdauer erreichte. Ich hatte auf etwas mehr Laufleistung gehofft, deshalb war die Haltbarkeit der Punkt, bei dem ich leicht enttäuscht war.
Ich liess ihn in Stockholm im Desmo Center ersetzen. Der Verschleiss war gleichmässig und ich hatte keine grösseren ausgerissenen Profilblöcke oder ungewöhnlichen Schäden. Das war für mich wichtig: Auch wenn der Reifen nicht so lange hielt wie erhofft, verschliss er berechenbar und nicht aufgrund eines auffälligen Defekts.
Die Laufleistung hängt stark von Motorrad, Beladung, Fahrstil, Strassenbelag, Reifendruck und Bedingungen ab. Meine 6.000 km sind deshalb ein realer Erfahrungswert und keine garantierte Lebensdauer. Für diese Nordkapp-Reise war das aber die tatsächliche Distanz, nach der ich mich zum Wechsel entschied.
Pirelli Scorpion Rally vs. Scorpion Rally STR
Die Namen werden leicht verwechselt, es handelt sich aber nicht um denselben Reifen. Pirelli positioniert den normalen Scorpion Rally stärker in Richtung Rally und Offroad, inklusive strassenzugelassener Adventure-Dimensionen. Der Scorpion Rally STR ist breiter als On-/Offroad-Touringreifen ausgelegt und legt mehr Gewicht auf Strassenhandling, Nassgrip und Komfort.
Dieser Test bezieht sich ausdrücklich auf den Pirelli Scorpion Rally und nicht auf den Rally STR. Wenn maximaler Strassenkomfort mit gelegentlichen Offroad-Ausflügen die Priorität ist, kann der STR die naheliegendere Alternative sein. Wenn loser Untergrund wichtiger ist, ist der normale Rally der Reifen, den ich hier getestet habe.
Für wen eignet sich der Scorpion Rally?
Nach dieser Reise würde ich den Scorpion Rally Fahrern empfehlen, die Asphalt tatsächlich regelmässig mit Schotter und Erde kombinieren und nicht nur wegen der Optik einen aggressiveren Reifen wählen. Besonders sinnvoll ist er, wenn man etwas Geräusch und Vibration akzeptiert und dafür mehr Vertrauen auf losem Untergrund möchte.
Weniger überzeugend ist er, wenn fast ausschliesslich Asphalt gefahren wird und Komfort, Ruhe sowie maximale Laufleistung die wichtigsten Kriterien sind. Lange Asphaltetappen kann der Reifen problemlos, dort liegt aber nicht sein grösster Vorteil.
Würde ich den Pirelli Scorpion Rally wieder kaufen?
Ja.
Der Scorpion Rally bot mir für diese Reise genau die Balance, die ich gesucht hatte. Nach den ersten rund 20 km Einfahrzeit funktionierte er auf der Strasse gut und auf den Schotterstrassen in Schweden hervorragend. Geräusch und leichte Vibrationen waren für mich verkraftbar. Auch wenn ich mir mehr als ungefähr 6.000 km Laufleistung gewünscht hätte, verschliss der Reifen gleichmässig und blieb bis zum Wechsel berechenbar.
Auf einer Ducati Scrambler Desert Sled, die wirklich für Reisen auf gemischtem Untergrund genutzt wird, würde ich ihn wieder montieren, sobald die geplante Route einen stärker offroad-orientierten Reifen rechtfertigt.
FAQ
Wie lange hielt der Pirelli Scorpion Rally?
In diesem Test wechselte ich ihn nach rund 6.000 km gemischter Nutzung während einer 8.600-km-Reise zum Nordkapp. Das Ergebnis kann je nach Motorrad, Beladung, Reifendruck, Fahrstil und Gelände deutlich variieren.
Ist der Pirelli Scorpion Rally gut auf der Strasse?
Nach der Einfahrphase fand ich Grip und Stabilität auf Asphalt gut. Die wichtigsten Kompromisse auf der Strasse waren das deutlich hörbare Abrollgeräusch und leichte Vibrationen.
Wie ist er auf Schotter?
Schotter war die grösste Stärke des Tests. Auf den Schotterstrassen in Schweden bot mir der Reifen sehr gute Traktion und viel Vertrauen auf losem Untergrund.
Geht es in diesem Test um den Scorpion Rally STR?
Nein. Dieser Bericht behandelt den normalen Pirelli Scorpion Rally. Der Rally STR ist ein separater, stärker strassenorientierter On-/Offroad-Reifen im Pirelli-Sortiment.
Würde ich ihn wieder auf der Desert Sled fahren?
Ja. Für eine Reise mit einem relevanten Anteil Schotter und Erde würde ich ihn wieder montieren.
1 Kommentar
A bit late, but I have these on my Ducati DesertX. In New Zealand conditions, which are often wet, with winding chip seal roads, and very average unsealed gravel roads and rocky terrain, these tyres are amazing. They are stable and quiet at speed, very stable on unpaved gravel roads. They grip well on rocks and have very good wet traction. I have 8000km on the current set with about 1000km left for road riding and light off-road riding. If I’m going to do more gnarly off-road riding, I put the Scoprion Rally Race on the front (with a tube), and the bike becomes outstanding off-road while maintaining good manners on-road (with greater care). Unfortunately, my rear wheel will not take the 140-profile Rally Race tyre. Having used Motoz, Anakee wilds, Shinko’s, and Karoo’s, these are currently the best all-around performers (mileage will vary depending on throttle control).