IN KÜRZE
- Motorrad: Ducati Scrambler Desert Sled
- Gesamterfahrung: rund 60.000 km über mehrere Reifensätze hinweg
- Einsatz: Alltag, Touring und richtiges Offroad-Fahren
- Wo: Europa und mehrere Reisen durch Marokko
- Bedingungen: trockener Asphalt, Regen, Schotter, Erde, Steine und raue Pisten
- Vorne vs. hinten: der Vorderreifen hält ungefähr 1,5× so lange wie der Hinterreifen
- Platten: bisher null
- Fazit: Für mich immer noch der beste Reifen, den ich je gefahren bin
Würde ich ihn wieder kaufen? Falsche Frage. Ich habe nie aufgehört, ihn zu kaufen.
Ich bin den Pirelli Scorpion Rally inzwischen lange genug gefahren, um das hier nicht mehr als ersten Eindruck zu bezeichnen.
Der Reifen hat meine Ducati Scrambler Desert Sled durch normale Fahrten in die Stadt, lange Reisen quer durch Europa und mehrere Trips durch Marokko begleitet. An diesem Punkt versuche ich nicht mehr herauszufinden, ob ich ihn mag.
Ich weiss, dass ich ihn mag.
Interessant ist vielmehr, warum er für mich nach all diesen Kilometern immer noch funktioniert.
60.000 km – Was das eigentlich bedeutet
Das sind natürlich nicht 60.000 km auf einem heldenhaften, unsterblichen Reifen. Es sind rund 60.000 km Erfahrung über mehrere Reifensätze hinweg.
Mein ursprünglicher Test entstand nach einer 8.600-km-Reise zum Nordkapp, bei der ich den Hinterreifen nach rund 6.000 km ersetzt habe. Seitdem ist der Scorpion Rally bei sehr unterschiedlichen Einsätzen Teil meines Desert-Sled-Setups geblieben.
Das ist wichtig, weil Adventure-Reifen selten daran scheitern, eine einzelne Sache gut zu können. Die Schwierigkeit ist, einen Reifen zu finden, der immer noch Sinn ergibt, wenn das Motorrad von einer Woche zur nächsten komplett unterschiedliche Jobs erledigen muss.
Am Montag fahre ich damit vielleicht nach Zürich.
Ein paar Wochen später steht dasselbe Motorrad irgendwo in Marokko und fragt sich vermutlich, warum ich diese Route für eine gute Idee gehalten habe.
Der Scorpion Rally kann beides.
Strasse & Nässe
Wenn man sich das Profil anschaut, könnte man erwarten, dass der Scorpion Rally bei Regen plötzlich zu einer leicht beängstigenden Angelegenheit wird.
Wird er nicht.
Der Grip bei Nässe gehört wirklich zu den Dingen, die mich bis heute am meisten beeindrucken. Ich fahre die Desert Sled regelmässig und nicht nur dann, wenn der Wetterbericht Instagram-tauglich aussieht. Das bedeutet nasse Strassen, Verkehr, Kreisel und all die langweiligen Alltagssituationen, die es selten in Adventure-Bike-Tests schaffen.
Der Reifen bleibt berechenbar.
Natürlich passe ich meine Fahrweise den Bedingungen an. Physik bleibt Physik. Aber wenn man bedenkt, wie aggressiv das Profil ist, vermittelt er auf nassem Asphalt erstaunlich viel Vertrauen.
Auch auf trockener Strasse lässt er sich problemlos im Alltag fahren. Man hört das gröbere Profil und spürt es etwas, aber beides hat mich nie genug gestört, um auf etwas Strassenorientierteres zu wechseln.
Ich kann damit in die Stadt pendeln und danach Schotter suchen gehen, ohne irgendetwas zu ändern.
Offroad & Marokko
Hier verdient sich der Scorpion Rally seinen Platz.
Die Ducati Scrambler Desert Sled ist keine leichte Enduro. Sie ist ein ziemlich schweres Motorrad, das gelegentlich zu Dingen überredet wird, mit denen Ducati beim Verlassen des Werks vermutlich nicht gerechnet hat.
Genau dieses Gewicht macht die Reifen noch wichtiger, sobald der Asphalt endet.
Auf Schotter und losem Untergrund gibt mir der Scorpion Rally am Vorderrad genau das Vertrauen, das ich bei einem Motorrad dieser Gewichtsklasse will. Er führt sauber, bleibt berechenbar und erinnert mich nicht permanent daran, wie viele Kilogramm sich gerade unter mir bewegen.
Ich bin ihn auf Schotterstrassen quer durch Europa und auf mehreren Reisen durch Marokko gefahren.
Marokko ist der Ort, an dem Reifen aufhören, Lifestyle-Accessoires zu sein.
Guter Asphalt wird zu Schotter. Schotter wird zu Steinen. Und aus Steinen wird irgendwann etwas, das auf der Karte deutlich vernünftiger aussah. Dazu kommen Hitze, Gepäck und ein schweres Motorrad – und ziemlich schnell merkt man, ob man dem vertraut, was unter einem rollt.
Ich vertraue ihm.
Der Scorpion Rally gibt mir genug Traktion und Feedback, wenn es ruppig wird, ohne das Motorrad auf den langen Strassenetappen davor und danach unerträglich zu machen.
Genau diese Balance ist der Hauptgrund, weshalb ich immer wieder bei ihm lande.
Die eine Sache, die den Hinterreifen tötet: deine rechte Hand
Nach mehreren Sätzen ist eine Sache ziemlich klar:
Der Scorpion Rally belohnt eine enthusiastische Gashand nicht.
Vor allem hinten.
Fährt man vernünftig, hält der Reifen ordentlich. Beschleunigt man ständig hart, lässt das Hinterrad auf losem Untergrund drehen und behandelt den Gasgriff wie einen Ein-/Aus-Schalter, verschwindet das Profil deutlich schneller.
Die Desert Sled hat genug Gewicht und Drehmoment, um einen Hinterreifen ordentlich zu bestrafen.
Und manchmal lasse ich sie.
Mehr Gas = weniger Reifen.
Bahnbrechende Wissenschaft.
Genau deshalb gebe ich ungern eine universelle Kilometerzahl an, wenn mich jemand fragt, wie lange ein Scorpion Rally hält. Mein ursprünglicher Nordkapp-Hinterreifen hielt rund 6.000 km, aber Gelände und Fahrstil machen einen echten Unterschied.
Vorderreifen vs. Hinterreifen
Ein Muster ist über die Jahre ziemlich konstant geblieben: Der Vorderreifen hält ungefähr 1,5-mal so lange wie der Hinterreifen.
Deshalb ersetze ich nicht automatisch beide gleichzeitig.
Der Hinterreifen bekommt durch Beschleunigung, Motorradgewicht und Offroad-Fahren naturgemäss mehr ab. Der Vorderreifen überlebt in der Regel deutlich länger.
Beim Adventure-Fahren versuche ich allerdings auch nicht, aus einem verschlissenen Reifen noch jeden letzten legalen Kilometer herauszuquetschen. Ein Reifen kann technisch noch Profil haben und trotzdem bereits einen Teil des Bisses verloren haben, wegen dem man ihn offroad überhaupt gewählt hat.
Wenn es auf eine ruppige Route geht, habe ich lieber genug Profil übrig, um es auch wirklich nutzen zu können.
60.000 km und kein einziger Platten
Das ist der Teil, der mich selbst immer noch überrascht.
Über rund 60.000 km und mehrere Scorpion-Rally-Sätze hinweg:
Kein einziger Platten.
Und die Reifen hatten nicht gerade ein entspanntes Leben.
Sie haben Steine, Schotter, raue Pisten und genug Untergründe gesehen, auf denen ein Platten alles andere als überraschend gewesen wäre. Ich hatte auch kleine Kerben, Einschnitte und oberflächliche Schäden im Profil – und der Reifen hat das erstaunlich gut weggesteckt.
Das macht ihn natürlich nicht unplattbar. Jemand kann morgen einen brandneuen Satz montieren und zehn Kilometer später einen Nagel erwischen.
Aber als persönliche Zuverlässigkeitsbilanz kann ich mich über null Platten bei dieser Art von Nutzung wirklich nicht beschweren.
Scorpion Rally vs. Scorpion Rally STR
Die Namen sind ähnlich, aber es sind unterschiedliche Reifen.
Der Scorpion Rally STR ist die stärker strassenorientierte Variante. Wer hauptsächlich Asphalt fährt und nur gelegentlich auf einfache Schotterwege abbiegt, ist damit möglicherweise besser bedient.
Meine Prioritäten sind andere.
Ich will einen Reifen, der auf der Strasse richtig funktioniert, aber nicht zum limitierenden Faktor wird, sobald die interessante Route nicht mehr wie eine Strasse aussieht.
Deshalb greife ich weiterhin zum normalen Pirelli Scorpion Rally.
Pirelli Scorpion Rally auf der offiziellen Pirelli-Website ansehen
Für wen ist er?
Ich würde den Scorpion Rally Fahrern empfehlen, die ein Adventure- oder Scrambler-Motorrad tatsächlich auf gemischtem Untergrund nutzen.
Er ergibt Sinn, wenn deine Fahrten wirklich aus einer Mischung aus Alltag, Touring, Regen, Schotter, Erde und anspruchsvollerem Offroad bestehen.
Weniger Sinn ergibt er, wenn maximale Laufleistung, minimale Abrollgeräusche und fast ausschliesslich Asphalt deine Prioritäten sind. Dafür gibt es bessere Reifen.
Wenn du aber einen Satz willst, der am Montag den Arbeitsweg und am Samstag eine fragwürdige Schotterpiste mitmacht, spielt der Scorpion Rally genau dort seine Stärke aus.
60.000 km später
Nach so viel Nutzung weiss ich ziemlich genau, was mir am Scorpion Rally nicht gefällt.
Der Hinterreifen verschleisst schneller, wenn ich es mit dem Gas übertreibe. Er ist lauter als ein Strassenreifen. Er vibriert stärker als ein Strassenreifen.
Und ich kaufe ihn trotzdem weiter.
Denn keiner dieser Kompromisse wiegt für mich schwer genug, um das aufzuwiegen, was der Reifen überall sonst liefert: sehr viel Vertrauen bei Nässe, starke Offroad-Traktion, berechenbares Verhalten auf einem schweren Motorrad und eine Robustheit, die mich bisher nie hat stehen lassen.
Für die Art, wie ich meine Ducati Scrambler Desert Sled nutze, habe ich noch keinen besseren Allround-Kompromiss gefunden.
Würde ich den Pirelli Scorpion Rally also wieder kaufen?
Falsche Frage.
Ich habe nie aufgehört, ihn zu kaufen.
FAQ
Bist du wirklich 60.000 km mit dem Pirelli Scorpion Rally gefahren?
Ja, insgesamt rund 60.000 km über mehrere Reifensätze hinweg auf meiner Ducati Scrambler Desert Sled.
Wie lange hält der Hinterreifen?
Das hängt stark von Fahrstil und Gelände ab. Meinen ursprünglichen Hinterreifen auf der Nordkapp-Reise habe ich nach rund 6.000 km ersetzt. Hartes Beschleunigen und ein durchdrehendes Hinterrad im Gelände können die Laufleistung spürbar verkürzen.
Wie lange hält der Vorderreifen?
Meiner Erfahrung nach ungefähr 1,5-mal so lange wie der Hinterreifen.
Ist der Scorpion Rally gut bei Regen?
Meiner Erfahrung nach sehr gut. Der Grip bei Nässe gehört angesichts des aggressiven Profils zu den grössten positiven Überraschungen.
Hattest du schon einen Platten?
Bisher nicht. Über rund 60.000 km mit mehreren Sätzen hatte ich keinen einzigen Platten.
Würdest du ihn immer noch empfehlen?
Ja. Für die Art, wie ich die Desert Sled nutze, ist er nach wie vor mein Lieblingsreifen.
Der ursprüngliche 6.000-km-Test
Meine erste ausführliche Erfahrung mit dem Scorpion Rally entstand während einer 8.600-km-Reise zum Nordkapp. Der Artikel bleibt eine Momentaufnahme davon, was ich nach dem ersten ernsthaften Langstreckentest über den Reifen dachte.
Den ursprünglichen Pirelli Scorpion Rally Test nach 6.000 km lesen